leonhardt
Alkohol
Alkohol dient im Geigenbau als Lösungsmittel zur Lackherstellung oder für gewisse Polituren, in Form von Spiritus.
Um Harze in Spiritus zu lösen benötigt man einen Alkoholgehalt von mindestens 94 %.
Man unterscheidet Spiritus in zwei verschiedenen Arten: Mehanol und Ethanol
Methanol ist extrem giftig und wird häufig in der Industrie verwendet, daher verwenden wir es im Geigenbauerhandwerk nicht.
Wir verwenden ausschließlich die ungiftige Art "Ethanol", welche zwar nicht giftig, aber dennoch nicht zum verzehr geeignet ist,
da es Vergellungsmittel enthält, welche den Spiritus ungenießbar machen.
Aschauer Leo - Mittenwald anno 1928 - G-332
Sehr schöne Geige von Leo Aschauer aus Mittenwald anno 1928
2 tlg. Boden aus bosnischem Ahorn, tief und breit geflammt
Fichtendecke mit mittelbreiten Jahren
rot-brauner Spirituslack
Zettel
Als Zettel wird bei Streich- und Zupfinstrumenten die Herstellerangabe bezeichnet, die sich traditionell auf einem im Inneren des Instruments angebrachten Zettel befindet.
Anbringung
Der Zettel wird bei der Herstellung eingeklebt, oft in Ergänzung zu einem Brandstempel. Er enthält den Namen des Geigenbauers oder Gitarrenbauers, häufig auch den Ort und das Datum, zuweilen auch eine Serien- oder Herstellungsnummer und die Unterschrift des Baumeisters.
Im 20. Jahrhundert wurden etliche zettellose Geigen anhand von typischen Bau- und Lackmerkmalen großen Meistern zugeordnet. In diese Instrumente klebten die Geigenexperten neue gedruckte Zettel.
Irreführende Verwendung
Im Laufe des 19. Jahrhunderts und der zunehmenden Produktion von Streichinstrumenten in Manufakturen wurden oft Zettel alter Geigenbaumeister wie Stradivari und Stainer in großem Maße gefälscht und in billige Manufakturinstrumente geklebt. Dies führte dazu, dass man auf Dachböden unzählige vermeintliche Stradivari-, Guarneri- und Stainer-Geigen findet. Diese Zettel beziehen sich in der Regel auf das Modell, nach der die Geige gefertigt wurde. Während in deutschen Manufakturgeigen (aus Sachsen) häufig Stainerzettel zu finden sind, findet man in den französischen Geigen aus Mirecourt hauptsächlich die Namen italienischer Meister. Weitere Namen, die oft auftauchen: Guarneri, Amati, Klotz, Gasparo da Salo, Giovanni Paolo Maggini, Tecchler. Es gibt in Deutschland Zigtausende von Geigen mit solch einem Zettel. So wurden z. B. in Böhmen, Sachsen und anderswo gerne solche Zettel eingeklebt. Oftmals wollte man sich mit dem berühmten Namen schmücken, oder es handelte sich um ein Instrument, das mehr oder weniger in Anlehnung an das Stradivaris Modell gebaut wurde.
Da bei vielen Zupfinstrumenten, z. B. Gitarren, der Zettel durch das Schallloch sichtbar ist, ist auch bei heutigen Serienmodellen ein Zettel üblich. Dieser enthält statt des Namens des Baumeisters die Marke des Herstellers und statt der Baunummer die Modellangabe.
Zargen
Als Zarge oder Zargenteile bezeichnet man bei diversen Musikinstrumenten diejenigen Bauteile des Korpus, die dessen Seitenwand beziehungsweise Seitenwände bilden. Zu den Musikinstrumenten, die über Zargen verfügen, zählen
verschiedene Schlaginstrumente, wie zum Beispiel viele Bauformen von Trommeln sowie auch
Streich- und Zupfinstrumente, wie die Familien der Violinen und Gamben sowie Gitarren. Bei diesen bestehen die Zargen bei günstigeren Instrumenten aus Furnierstreifen (etwa 1 mm bis 3 mm dick), auf denen Decke und Boden des Korpus aufgeleimt werden. Bei höherwertigen Instrumenten bestehen auch die Zargen aus massivem Holz. Sie haben je nach Instrumententyp eine unterschiedliche Höhe. Am unteren Teil befindet sich innen meist der Unterstock und am oberen Teil der Oberstock. In letzteren wird der Hals eingesetzt. Bei Streichinstrumenten und bei den meisten Gitarren mit Hohlkorpus besteht die Zarge aus vielen Teilen, die durch Eckklötzchen zusammengehalten werden. Sind alle Zargen miteinander verleimt, spricht man von einem Zargenkranz. Die Zargen sowie gegebenenfalls der Stimmstock übertragen die Schwingungen der Decke auf den Boden des Instruments.
Wolftöter
Ein Wolftöter ist ein Dämpfer, der bei Streichinstrumenten eingesetzt wird, um unerwünschte Nebentöne (Wolftöne) zu unterdrücken.
Funktionsweise
Der Wolftöter besteht aus einem kleinen Metallröhrchen, das mit Hilfe einer Schraube am Saitenstück zwischen Steg und Saitenhalter befestigt wird (siehe Bild). Um die Saite dabei nicht zu beschädigen, ist das Röhrchen innen mit Gummi ausgekleidet. Durch seine Trägheit dämpft der Wolftöter die Schwingung des kurzen Saitenstücks und damit (in gewissen Grenzen) den Wolfton.
Wolfton
Der Wolfton ist eine problematische Reaktion eines Streichinstruments beim Spielen einer bestimmten Note. In ausgeprägten Fällen führt der Versuch, diese Note leise zu spielen, zum tonlosen Wischen über die Saite oder zum Anklingen von ausschließlich Obertönen (Flageolett), während ein beherzter Einsatz des Bogens ein stotterndes Bullern hervorbringt. Man sagt, das Instrument habe bei diesem Ton einen Wolf. Gutmütigere Instrumente klingen an der Stelle bloß etwas rauer, so als würden sie sul ponticello gespielt, obwohl die Bogenposition normal ist.
Bei den großen Streichinstrumenten Cello und Kontrabass sind oft auch hochwertige Exemplare betroffen, während ein Wolf bei einer Violine als Fehler des Geigenbauers gilt. Der Unterschied hängt damit zusammen, dass der Korpus eines Cellos nicht dreimal so groß ist wie der einer Geige; das würde dem Frequenzverhältnis ihrer Stimmung entsprechen. Zum Ausgleich der relativ geringen Größe des Cellos muss für einen guten Klang die Decke relativ dünner sein, was Wechselwirkungen zwischen ihren Eigenschwingungen und der Saitenschwingung begünstigt. Beim Cello liegt der Wolf beim F oder F#, selten tiefer, bis herab zum D. Er tritt auf, wenn dieser Ton auf der G-Saite oder in hoher Lage auf der C-Saite gespielt wird. Beim Kontrabass ist meist das G betroffen.
Ein einfacher Wolftöter kann Abhilfe schaffen, falls es damit gelingt, die Eigenfrequenz des Saitenhalters auf die störende Eigenschwingung des Korpus abzustimmen und damit die Dissipation zu erhöhen. Sicherer, aber weit aufwändiger ist ein separater, exakt abgestimmter Schwingungstilger, der innen an die Decke geklebt wird – an eine Stelle, die gerade das rechte Maß an Dämpfung verspricht.
Ursache
Das Spielen der betroffenen Note ist problematisch, weil ihre Grundfrequenz bei einer wenig gedämpften Eigenschwingung des Korpus liegt, in deren Eigenform der Steg, über den die Saiten gespannt sind, deutliche Querbewegungen ausführt. Beides, das Vorliegen der Resonanz und die Beteiligung des Steges in jener Richtung, in der die Saite durch den Bogen angeregt wird, führt zu einer besonders effektiven Übertragung von Schwingungsenergie auf den Korpus. Das erklärt zwanglos das erschwerte Anspielen des Wolftons. Auch die Neigung zum Flageolett ist ersichtlich, denn die erhöhte Dämpfung gilt nur der Grundschwingung der Saite, nicht den Obertönen.
Der Flattereffekt dagegen wurde kontrovers gedeutet. Eine lange vertretene Erklärung war, dass Saite und Korpus schwach gekoppelte Oszillatoren darstellen, zwischen denen die Schwingungsenergie hin und her wechselt, verbunden mit einem entsprechenden Wechsel der Lautstärke. Nach dieser Erklärung sollte die Geschwindigkeit des Flatterns ähnlich wie bei einer Schwebung durch die Differenzfrequenz gegeben sein. Insbesondere sollte das Flattern nur in den Flanken der Resonanzkurve auftreten, im Maximum der Resonanz, erkennbar an der stärksten Neigung zum Flageolett, dagegen verschwinden. Das Flattern sollte unabhängig vom Bogendruck und der eingestellten Bogenspannung auftreten, sofern der Grundton überhaupt erklingt. Die Amplitudenschwankung des Grundtons sollte dominieren, die Obertöne höchstens sekundär betroffen sein. Die Amplitude des Grundtons sollte auch beim freien Ausklingen schwanken. Aber all das trifft nicht zu. Insbesondere variiert die Flatterfrequenz kaum und eher mit dem Bogendruck als mit der Tonhöhe. Offenbar ist die Kopplung von Saite und Korpus so eng, dass sich im Bereich der Resonanz eine gemeinsame, mittlere Eigenfrequenz ergibt, ohne die Möglichkeit einer Schwebung.
Dass auch die Modulationstiefe des Flatterns mit dem Bogen beeinflusst werden kann, bis zur Unterdrückung des Flatterns bei hohem Druck (mit klanglichen Einbußen), lenkt die Aufmerksamkeit auf die Details der Schwingungsanregung. Unter normalen Bedingungen gibt es eine lange Phase des Haftens (der Saite an der Bespannung des Bogens) und eine kurze Gleitphase. Das erfordert eine bestimmte Phasenbeziehung zwischen der Grundschwingung und den Oberwellen, auf dass deren Überlagerung in Stegnähe eine sägezahnförmige Bewegung ergibt. Diese Phasenbeziehung wird durch die Korpusresonanz gestört, denn mit dem Energiefluss ist ein Phasenunterschied von 90° zwischen der Anregung (Grundschwingung der Saite) und der Schwingung des Resonators verbunden. Solange der Resonator noch nicht stark schwingt, funktioniert die Anregung normal, es läuft also zwischen der Brücke und dem Finger auf der Saite ein Knick hin und her. Sobald die Rückwirkung ein kritisches Maß übersteigt, rutscht während der Haftphase die Saite kurz durch und es entsteht ein zweiter umlaufender Knick, der wegen der umgekehrten Phasenlage dem Resonator (zunächst) Energie entzieht und schnell wächst. Zudem konkurriert er mit dem anderen Knick erfolgreich um Anregungsleistung, sodass dieser schnell verschwindet. Mit einer zeitlichen Verzögerung, die seiner Güte entspricht, stellt sich der Resonator auf die neue Anregungsphase ein, worauf der Vorgang sich wiederholt.
Dabei sinkt jedes mal die Schallemission des Instruments auf dem Grundton weit ab, sodass sich dessen Spektrallinie um einige Hertz aufspaltet – wie bei einer Schwebung, bloß dass hier nicht zwei Resonatoren ursächlich sind.
Wölbung
Wirbel
Als Wirbel werden bei Saiteninstrumenten die drehbaren Holzpflöcke oder Metallstifte, auf denen die Saitenenden aufgerollt werden, bezeichnet. Mit ihrer Hilfe kann die Spannung der Saiten verändert und das Instrument damit gestimmt werden. Der Bereich, in dem die Wirbel befestigt sind, wird Wirbelkasten oder Kopfplatte genannt. Die Wirbel von Klavieren, Flügeln und Kielinstrumenten sitzen im hölzernen Stimmstock. Den Abschluss des Wirbelkastens bei Saiteninstrumenten bildet die geschnitzte Schnecke.
Moderne Streichinstrumente verfügen heute meistens zusätzlich über Feinstimmer, so dass die Wirbel hier nur der Grobstimmung dienen. Die hölzernen Wirbel – bei guter Qualität aus Ebenholz – werden von Wirbeldrechslern hergestellt, für die es ein eigenes Berufsbild bis zur Meisterprüfung gibt. Kunstvoll gestaltete Einlagen aus Gold, Silber oder Elfenbein in den Wirbelköpfen waren besonders in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts sehr beliebt.
Je nach Art der Wirbel können sie – wie zum Beispiel bei der Violine – mit der Hand gedreht werden; bei anderen Instrumenten braucht man eigene Stimmschlüssel (z. B. Klavier, Zither). Bei bestimmten Instrumenten werden die Wirbel über eine Stimmmechanik gedreht. Für das Violoncello existieren schon Wirbel mit integriertem Getriebe, die einen zusätzlichen Feinstimmer überflüssig machen.
Bei Instrumenten mit Hals werden die Wirbel je nach Stellung zum Wirbelträger unterschieden. Es gibt:
vorderständige Wirbel, zum Beispiel bei der Fidel
hinterständige Wirbel, zum Beispiel bei der Gitarre
seitenständige Wirbel, zum Beispiel bei der Violine
Bei besaiteten Tasteninstrumenten wie Cembalo, Hammerflügel, Klavier etc. nennt man die Wirbel auch „Stimmnägel“, da sie aus Metall gefertigt sind und in den Stimmstock eingeschlagen werden. Die sichtbare Oberseite des Stimmstocks, in dem bei einem modernen Konzertflügel über 200 Wirbel sitzen, nennt man auch „Wirbelfeld“.
Werkstatt
Eine Werkstatt ist eine Arbeitsstätte mit vorhandenen Werkzeugen oder Maschinen zur Fertigung oder Reparatur von Produktionsgütern. Es ist der Raum, in der ein Gewerk ausgeübt wird, insofern dieses nicht unter freiem Himmel stattfinden kann oder muss.
Von vorindustrieller Zeit bis heute sind Werkstätten die Orte, in denen handwerkliche oder kunsthandwerkliche Güter produziert werden (siehe auch Manufaktur).
Verbreitet sind heute Werkstätten vor allem in Handwerksbetrieben, wie etwa in Tischler- oder Schlosserwerkstätten, Kunstschmieden, Schneidereien, Spenglereien, Autowerkstatt (oder Mietwerkstatt) bzw. im künstlerischen Bereich als Ateliers. In verschiedenen Gewerken existieren auch Schauwerkstätten, die die handwerklichen Arbeitsprozesse für Besucher anschaulich darbieten. Im Kulturbetrieb gibt es zudem Kultur- oder Theaterwerkstätten.
Im Zuge der Do-it-yourself-Bewegung entstanden viele Hobbywerkstätten im privaten Bereich (Heimwerker).
Die Werkstattfertigung bezeichnet einen Produktionstyp, bei dem die Ressourcen nach dem Verrichtungsprinzip organisiert und räumlich zusammengefasst sind, z. B. in der Autowerkstatt und der Schreinerei.
Eine Werkstatt kann im übertragenen Sinne eine Zusammenkunft oder eine Lerneinheit sein. Dieser Begriff betont das Lösen von Problemen oder auch das direkte Üben am Thema.